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Wissenschaft

Dr. Liuliu Han erhält DGM-Nachwuchspreis: Fortschritte bei nachhaltigen Hochleistungsmagneten

Dr. Liuliu Han wird mit dem DGM-Nachwuchspreis für seine Forschung an nachhaltigen Hochleistungsmagneten ausgezeichnet. Im Fokus stehen Hochentropie-Legierungen, die mechanische Stabilität und magnetische Eigenschaften vereinen und gleichzeitig den Einsatz Seltener Erden reduzieren können.

Mit der Auszeichnung von Dr. Liuliu Han durch die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde (DGM) rückt ein Forschungsfeld in den Fokus, das für die industrielle Transformation von zentraler Bedeutung ist: die Entwicklung leistungsfähiger und zugleich nachhaltiger magnetischer Materialien.

Dr. Liuliu Han, Projektgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Nachhaltige Materialien in Düsseldorf, arbeitet an Legierungssystemen, die gezielt auf die Anforderungen moderner Energiesysteme zugeschnitten sind. Seine Forschung adressiert ein strukturelles Problem: Viele der heute eingesetzten Hochleistungsmagnete basieren auf Seltenen Erden – Rohstoffen mit begrenzter Verfügbarkeit, komplexen Lieferketten und erheblichen Umweltfolgen bei der Förderung.

Die Suche nach Alternativen ist daher nicht nur eine wissenschaftliche Fragestellung, sondern eine strategische Notwendigkeit.

Im Zentrum der Arbeiten von Liuliu Han stehen Hochentropie-Legierungen. Diese Materialklasse unterscheidet sich grundlegend von klassischen Legierungen, da sie nicht auf einem dominanten Basiselement aufbaut, sondern mehrere Elemente in nahezu gleichen Anteilen kombiniert. Dadurch entsteht ein komplexes Gefüge, in dem sich Eigenschaften gezielt einstellen lassen, die mit konventionellen Werkstoffen nur schwer erreichbar sind.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung weichmagnetischer Materialien, die gleichzeitig hohe mechanische Festigkeit aufweisen. Diese Kombination ist für zahlreiche Anwendungen relevant, etwa in Elektromotoren, Transformatoren und Leistungselektronik. Während klassische weichmagnetische Werkstoffe häufig Kompromisse zwischen magnetischer Effizienz und mechanischer Stabilität erfordern, zeigt die Arbeit von Liuliu Han, dass sich diese Zielkonflikte durch geeignetes Legierungsdesign reduzieren lassen.

Die gezielte Einstellung der Mikrostruktur spielt dabei eine zentrale Rolle. Liuliu Han nutzt hochauflösende Methoden wie Atomsondentomographie und Transmissionselektronenmikroskopie, um die Verteilung der Elemente auf atomarer Ebene zu analysieren. Diese Daten ermöglichen es, den Zusammenhang zwischen Gefüge und magnetischen Eigenschaften präzise zu erfassen und systematisch zu optimieren.

Ein weiterer Aspekt ist die Reduktion oder der vollständige Verzicht auf Seltene Erden. Legierungssysteme, die ohne diese Elemente auskommen und dennoch konkurrenzfähige Eigenschaften erreichen, könnten langfristig die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen verringern und gleichzeitig die ökologische Bilanz der Magnetproduktion verbessern.

Die Arbeiten von Liuliu Han sind dabei klar im Kontext einer materialwissenschaftlichen Entwicklung zu sehen, die über klassische Optimierungsstrategien hinausgeht. Anstelle inkrementeller Verbesserungen bestehender Systeme steht die gezielte Gestaltung neuer Materialklassen im Vordergrund. Hochentropie-Legierungen bieten hierfür eine Plattform, da sie ein breites Spektrum an Kombinationen und damit an Eigenschaften ermöglichen.

Der wissenschaftliche Werdegang von Liuliu Han unterstreicht die Dynamik dieses Forschungsfeldes. Nach seinem Masterabschluss in Materialwissenschaft und Werkstofftechnik begann er seine Promotion am Max-Planck-Institut, die er mit Auszeichnung abschloss. Innerhalb weniger Jahre entwickelte er sich vom Doktoranden zum Projektgruppenleiter und veröffentlichte seine Ergebnisse in international führenden Fachzeitschriften.

Die Verleihung des DGM-Nachwuchspreises würdigt diese Entwicklung und hebt gleichzeitig die Bedeutung der zugrunde liegenden Forschung hervor. Die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde zählt zu den zentralen Institutionen in Europa im Bereich der Werkstoffwissenschaften und zeichnet gezielt Arbeiten aus, die sowohl wissenschaftlich als auch technologisch relevant sind.

Für industrielle Anwendungen sind die Implikationen klar. Fortschritte in der Magnetentwicklung wirken direkt auf die Effizienz und Leistungsfähigkeit elektrischer Systeme. Gleichzeitig entscheidet die Materialbasis über Kosten, Skalierbarkeit und Versorgungssicherheit.

Die Arbeiten von Dr. Liuliu Han zeigen, dass sich diese Faktoren nicht isoliert betrachten lassen. Materialdesign, Ressourcenverfügbarkeit und industrielle Anforderungen greifen ineinander – und genau an dieser Schnittstelle entsteht derzeit ein neues Verständnis von Werkstoffentwicklung.

Author
Maud van Dijk
Senior Writer
08.01.2026

The Lord Of The Rocks

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