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Bergbau

Energieeffizienz im Bergbau: Codelco beteiligt sich an I-Pulse

Mit der Beteiligung an I-Pulse setzt Codelco auf Hochleistungs-Impulstechnologien, die energieintensive Prozesse im Bergbau grundlegend verändern könnten. Im Fokus stehen geringerer Stromverbrauch, effizientere Erzzerkleinerung und die Frage, wie technologische Innovation die Wirtschaftlichkeit künftiger Kupferprojekte beeinflusst.

6 Minuten

Codelco setzt auf Impulstechnologie: Warum die Beteiligung an I-Pulse mehr ist als ein gewöhnlicher Mining-Deal

Der chilenische Kupferkonzern Codelco ist von der Strategieberatung EY-Parthenon mit dem Preis „Innovative Transaction of the Year 2025“ ausgezeichnet worden. Im Mittelpunkt steht eine Beteiligung an I-Pulse – einem Unternehmen, das sich auf Hochleistungs-Impulsenergietechnologien spezialisiert hat. Hinter der Transaktion verbirgt sich jedoch weit mehr als ein symbolischer Innovationsschritt. Sie deutet auf eine mögliche strukturelle Veränderung in einem der energieintensivsten Abschnitte des modernen Bergbaus hin.

Die Vereinbarung wurde während der LME Week in London abgeschlossen und verschafft Codelco bevorzugten Zugang zur Technologie von I-Pulse. Für den weltgrößten Kupferproduzenten ist das strategisch relevant. Denn die Branche steht zunehmend unter Druck: sinkende Erzgehalte, größere Abbautiefen, steigende Energiekosten und strengere Umweltanforderungen verändern die ökonomische Logik des Minings fundamental.

Besonders kritisch ist dabei der Bereich der Erzzerkleinerung. Das Brechen und Mahlen von Gestein zählt seit Jahrzehnten zu den größten Energieverbrauchern im Bergbau. Je nach Lagerstätte entfallen bis zur Hälfte des gesamten Strombedarfs einer Mine auf diese Prozessschritte. Genau dort setzt die Technologie von I-Pulse an.

Der energieintensivste Abschnitt des Bergbaus im Fokus

Die Hochleistungs-Impulstechnologie arbeitet nicht primär mechanisch, sondern nutzt extrem kurze, hochenergetische elektrische Pulse, um Gesteinsstrukturen entlang mineralischer Schwächezonen aufzubrechen. Ziel ist eine selektivere Fragmentierung des Materials bereits vor klassischen Zerkleinerungsprozessen.

Sollten sich die avisierten Werte im industriellen Maßstab bestätigen, könnte dies erhebliche Auswirkungen auf die Kostenstruktur vieler Bergbauprojekte haben. Codelco verweist auf mögliche Energieeinsparungen von bis zu 80 Prozent innerhalb einzelner Prozessschritte der Zerkleinerungskette. Gleichzeitig soll der Einsatz konventioneller Sprengstoffe reduziert und die Beschädigung des umgebenden Gesteins minimiert werden.

Gerade letzterer Punkt ist für moderne Großminen relevant. Übermäßige Schädigungen der Gesteinsstruktur beeinflussen nicht nur Stabilität und Sicherheit, sondern können auch die spätere Erzgewinnung negativ beeinflussen. Präzisere Fragmentierung gewinnt daher wirtschaftlich an Bedeutung.

Technologie als Antwort auf sinkende Erzgehalte

Der Schritt zeigt zugleich, wie stark sich die Prioritäten der Branche verschieben. Lange Zeit konzentrierte sich der Wettbewerb im Bergbau vor allem auf Ressourcenzugang, Produktionsausweitung und Skaleneffekte. Heute rückt zunehmend die Effizienz der Prozesskette in den Mittelpunkt.

Vor allem Kupferproduzenten stehen unter Druck. Die globale Energiewende erhöht die Nachfrage nach Kupfer massiv – gleichzeitig werden viele neue Lagerstätten komplexer, tiefer und kostenintensiver. Die „einfachen“ Vorkommen gehören vielerorts der Vergangenheit an.

Damit steigt die Bedeutung von Technologien, die den Energiebedarf pro produzierter Tonne Metall reduzieren können. Für Unternehmen wie Codelco ist das nicht nur eine Umweltfrage, sondern zunehmend eine Frage langfristiger Wettbewerbsfähigkeit.

Der Verwaltungsratsvorsitzende Máximo Pacheco brachte dies bei der Preisverleihung indirekt auf den Punkt. Große Herausforderungen würden nicht allein durch operative Optimierung gelöst, sondern durch neue Technologien und Partner mit einem anderen Denkansatz. Die Aussage wirkt bemerkenswert offen für einen traditionsreichen Staatskonzern, der historisch eher mit industrieller Stabilität als mit technologischen Experimenten assoziiert wurde.

Mehr als ein Forschungsprojekt

Bemerkenswert ist zudem die Struktur der Zusammenarbeit. Codelco beschränkt sich nicht auf eine klassische Lieferantenbeziehung oder Pilotvereinbarung, sondern beteiligt sich direkt am Unternehmen. Damit sichert sich der Konzern nicht nur Zugang zur Technologie, sondern auch strategische Einflussmöglichkeiten und bevorzugte Implementierungsbedingungen.

Solche Modelle werden im Rohstoffsektor zunehmend wichtiger. Große Bergbauunternehmen versuchen verstärkt, technologische Entwicklungen frühzeitig an sich zu binden – insbesondere in Bereichen wie Automatisierung, Elektrifizierung, Wasseraufbereitung oder energieeffiziente Aufbereitung.

Denn der Wettbewerb der kommenden Jahre wird nicht allein über Lagerstätten entschieden, sondern über die Fähigkeit, diese wirtschaftlich und gesellschaftlich akzeptabel zu erschließen.

Europas Industrie schaut genau hin

Auch aus europäischer Perspektive ist die Entwicklung relevant. Die DACH-Industrie beobachtet seit Jahren mit wachsender Sorge die zunehmende Verwundbarkeit globaler Rohstoffketten. Kupfer spielt dabei eine Schlüsselrolle – von Stromnetzen über Rechenzentren bis hin zu Elektromobilität und Verteidigungstechnologie.

Effizienzgewinne im Primärbergbau könnten langfristig Einfluss auf Produktionskosten, Projektwirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit haben. Technologien, die den Energiebedarf drastisch senken, würden zudem die Attraktivität bestimmter Lagerstätten verändern, die bislang als zu energieintensiv galten.

Noch bleibt allerdings offen, wie schnell sich Hochleistungs-Impulsverfahren im industriellen Dauerbetrieb etablieren lassen. Der Bergbau ist traditionell konservativ, insbesondere bei kritischen Kernprozessen mit Milliardeninvestitionen und jahrzehntelangen Laufzeiten. Zwischen technologischer Demonstration und globaler Skalierung liegt oft ein langer Weg.

Dennoch zeigt die Auszeichnung durch EY-Parthenon, dass der Markt solche Entwicklungen zunehmend als strategisch relevant bewertet – nicht nur als experimentelle Zukunftstechnologie.

Für Codelco könnte die Beteiligung an I-Pulse damit zu weit mehr werden als einer prestigeträchtigen Innovationsmeldung. Sie könnte ein frühes Signal dafür sein, wie sich die industrielle Architektur des Bergbaus in den kommenden Jahrzehnten verändert: weniger reine Materialschlacht, mehr technologisch gesteuerte Effizienz.

Fotocredits: Codelco

Author
Dr. Hitomi Takeda
Senior writer
06.05.2026

The Lord Of The Rocks

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