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Rohstoffe

Investitionen: Silicon Valley im Untergrund

Risikokapital aus der Tech-Industrie fließt zunehmend in Exploration, neue Gewinnungsverfahren und Materialsubstitution. Kritische Rohstoffe werden damit zum technologischen Entwicklungsfeld – nicht mehr nur zum klassischen Bergbauthema.

8 Minuten

Silicon Valley entdeckt den Untergrund – Technologiebranche sucht Zugang zu kritischen Rohstoffen

Die Sicherung strategischer Rohstoffe ist längst nicht mehr ausschließlich Thema klassischer Bergbaukonzerne oder staatlicher Programme. Seit 2025 engagieren sich zunehmend Technologie-Investoren aus den USA direkt in Bereichen, die bisher als geologisch-industrielles Terrain galten: Exploration, Aufbereitung und Materialsubstitution. Der Hintergrund ist weniger kurzfristige Nachfrage als strukturelle Abhängigkeit – insbesondere bei Metallen und Mineralien, die für Elektronik, Energietechnik und Hochleistungswerkstoffe benötigt werden.

Nach Angaben des Finanzdatenanbieters PitchBook flossen im Verlauf des Jahres rund 600 Millionen US-Dollar Risikokapital in amerikanische Unternehmen, die sich mit der Gewinnung oder dem Ersatz kritischer Mineralien befassen. Damit erreichte dieser Sektor erstmals Größenordnungen, die sonst eher Software- oder Biotechnologie-Gründungen vorbehalten waren. Auffällig ist dabei, dass sich die Projekte weniger auf neue Lagerstätten konzentrieren als auf neue Verfahren.

Mineralgewinnung aus gewöhnlichem Gestein

Ein Beispiel für diesen Ansatz verfolgt das Unternehmen Brimstone aus Kalifornien. Die Firma untersucht Verfahren, um mehrere Metalle aus einem einzigen, weit verbreiteten magmatischen Ausgangsgestein zu gewinnen: Gabbro. Das grobkörnige Tiefengestein kommt weltweit in großen Mengen vor und gilt geologisch als unspektakulär. Genau darin liegt der Ansatz – statt seltene Lagerstätten zu suchen, sollen technisch reproduzierbare Prozesse aus häufigem Gestein nutzbare Rohstoffe extrahieren.

Das Konzept setzt auf standardisierte chemische Abläufe und identische Anlagen für unterschiedliche Zielmetalle. Ziel ist es, Produktionsketten zu vereinfachen und Kosten gegenüber konventioneller Gewinnung zu senken. Die Idee bleibt jedoch bislang experimentell. Die Verfahren wurden vor allem im Laborumfeld untersucht; industrielle Demonstrationsanlagen existierten Ende 2025 noch nicht.

Der Ansatz zeigt eine grundlegende Verschiebung: Nicht mehr ausschließlich die Lagerstätte entscheidet über Wirtschaftlichkeit, sondern zunehmend die Prozesschemie. Ob solche Verfahren großtechnisch tragfähig werden, ist offen – sie markieren jedoch den Versuch, geologische Knappheit durch technische Reproduzierbarkeit zu ersetzen.

Exploration wird datengetrieben

Parallel dazu richtet sich Aufmerksamkeit auf die Phase vor jeder Mine: die Exploration. Mehrere Forschungsgruppen und Startups arbeiten daran, Bohrentscheidungen mathematisch zu optimieren. Statt allein geologischer Erfahrung sollen statistische Modelle und maschinelles Lernen geologische Strukturen vorhersagen und Unsicherheiten reduzieren.

An der Stanford University nutzt ein Team um Mineral-X probabilistische Modelle, die ursprünglich aus autonomen Navigationssystemen stammen. Ziel ist nicht die automatische Entdeckung von Lagerstätten, sondern eine präzisere Platzierung von Bohrungen. Ähnlich arbeiten junge Unternehmen wie Terra AI, die geologische Datensätze auswerten, um die Wahrscheinlichkeit wirtschaftlicher Funde zu bewerten.

Die Idee dahinter ist pragmatisch: Jede vermiedene Fehlbohrung reduziert Kosten und Zeit. Exploration bleibt risikobehaftet, doch statistische Methoden könnten die Erfolgsquoten schrittweise erhöhen.

Rohstoffpolitik als Investitionsfeld

Das wachsende Engagement privater Kapitalgeber hängt eng mit strategischen Überlegungen zusammen. In den USA wird die Versorgung mit kritischen Mineralien zunehmend als industriepolitische Frage betrachtet. Unternehmen aus der Technologiebranche sind direkte Abnehmer vieler dieser Materialien und reagieren daher früh auf mögliche Engpässe oder Konzentrationen in einzelnen Lieferketten.

Bemerkenswert ist, dass sich die Investitionen nicht ausschließlich auf klassische Bergbauprojekte konzentrieren. Stattdessen entstehen Ansätze in drei Richtungen: neue Gewinnungsverfahren, datenbasierte Exploration und Materialsubstitution. Gemeinsam verfolgen sie ein Ziel – Abhängigkeiten zu verringern, ohne allein auf neue Minen angewiesen zu sein.

Zwischen Labor und Industrie

Ob diese Entwicklungen kurzfristig die Rohstoffversorgung verändern, bleibt offen. Viele Projekte befinden sich noch im frühen Stadium und müssen erst technische Skalierung, Energiebedarf und Wirtschaftlichkeit beweisen. Dennoch zeigt sich eine neue Dynamik: Die Sicherung von Mineralien wird nicht mehr nur als Aufgabe der Rohstoffindustrie betrachtet, sondern als technologisches Problem, das Ingenieure, Softwareentwickler und Chemiker gleichermaßen adressieren.

Damit verschiebt sich der Blick auf Ressourcen. Neben der geologischen Suche tritt zunehmend die technische Gestaltung von Materialien und Prozessen. Die klassische Lagerstätte bleibt Grundlage der Versorgung – doch um sie herum entsteht ein wachsendes Feld technologischer Lösungen, das den Bergbau ergänzt, nicht ersetzt.

Author
Maud van Dijk
Senior Writer
February 16, 2026

The Lord Of The Rocks

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