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VW ID.4 GTX im Test: Stärken, Schwächen und Alltag eines elektrischen Allrad-SUV

Der VW ID.4 GTX verbindet elektrischen Allradantrieb mit solider Alltagstauglichkeit – doch Bedienkonzept, Software und Effizienz werfen Fragen auf. Eine nüchterne Analyse für Entscheider.

6 Minuten

Der Volkswagen ID.4 GTX steht exemplarisch für das, was viele Hersteller derzeit versuchen: Elektromobilität aus der Nische holen, ohne ihre Alltagstauglichkeit zu verlieren. Allrad, solide Reichweite, vertraute SUV-Form – auf dem Papier ein Angebot, das gerade für eine technisch geprägte Leserschaft interessant ist. In der Praxis zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild, das zwischen überzeugender Substanz und unnötigen Schwächen schwankt.

Zunächst zum Fundament: Der ID.4 GTX basiert auf dem modularen Elektrobaukasten (MEB) von Volkswagen. Zwei Elektromotoren liefern zusammen 220 kW (299 PS) und ermöglichen elektrischen Allradantrieb. Das sorgt nicht für brachiale Beschleunigungsexzesse, wohl aber für eine souveräne, kontrollierte Kraftentfaltung – gerade bei Nässe oder auf losem Untergrund ein echter Vorteil. 0 auf 100 km/h in rund 6,2 Sekunden ist ordentlich, aber nicht spektakulär. Genau hier beginnt die Positionierung des GTX: weniger sportlicher Provokateur, mehr effizienter Allrounder mit Reserven.

Im Alltag überzeugt der Wagen vor allem durch seine Raumökonomie. Der flache Fahrzeugboden und der lange Radstand schaffen Platzverhältnisse, die eher an eine Klasse darüber erinnern. Für Außendienst, Projektfahrten oder längere Strecken mit Ausrüstung ist das ein relevanter Punkt. Auch die Reichweite bleibt im Rahmen dessen, was man von einem Fahrzeug dieser Größe erwarten darf: realistisch sind – je nach Fahrprofil – etwa 380 bis 450 Kilometer. Kein Klassenprimus, aber solide kalkulierbar.

Und dennoch: Genau dort, wo man bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse Selbstverständlichkeit erwarten würde, beginnt die Kritik – und sie ist nicht aus der Luft gegriffen.

Ein zentraler Punkt, der sowohl von Nutzern als auch von Institutionen wie dem ADAC wiederholt thematisiert wird, ist die Bedienlogik. Volkswagen hat beim ID.4 stark auf kapazitive Flächen statt klassischer Tasten gesetzt. Was im Showroom modern wirkt, entpuppt sich im Alltag oft als unnötig kompliziert. Die berührungssensitiven Slider für Lautstärke und Temperatur sind unbeleuchtet – ein Detail, das nachts oder bei schlechten Lichtverhältnissen schlicht unpraktisch ist. Auch die Menüführung des Infotainmentsystems wirkt streckenweise überladen und reagiert nicht immer so flüssig, wie man es erwarten dürfte.

Hinzu kommt die Software-Historie des Modells. Frühere Versionen litten unter Verzögerungen, Abstürzen und inkonsistentem Verhalten. Volkswagen hat hier nachgebessert, und aktuelle Softwarestände sind deutlich stabiler – doch der Vertrauensverlust sitzt bei vielen Nutzern noch tief. Für ein Fahrzeug, das stark über digitale Schnittstellen definiert wird, ist das kein Nebenthema.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Effizienz unter realen Bedingungen. Während die offiziellen Verbrauchswerte moderat erscheinen, berichten viele Fahrer von deutlich höheren Verbräuchen bei Autobahntempo oder im Winterbetrieb. Das ist physikalisch erklärbar – Gewicht, Stirnfläche, Allrad – relativiert aber die Alltagstauglichkeit auf langen Strecken. Gerade für Vielfahrer, die Zeit und Ladeplanung exakt kalkulieren müssen, wird das relevant.

Auch das Thema Ladeleistung bleibt ambivalent. Mit bis zu 135 kW (je nach Batterie und Softwarestand) liegt der ID.4 GTX im Mittelfeld. Das ist nicht langsam, aber eben auch nicht führend. Wettbewerber setzen hier zunehmend höhere Maßstäbe, insbesondere bei der Konstanz der Ladeleistung über den gesamten Ladehub hinweg.

Positiv bleibt dagegen das Fahrverhalten. Der Wagen ist leise, stabil und angenehm unaufgeregt. Keine künstliche Sportlichkeit, kein überdrehtes Setup – vielmehr eine Art elektrischer Langstrecken-Gleiter, der seine Stärken dann ausspielt, wenn es nicht um Show, sondern um Strecke geht. Genau das dürfte für viele Lords-Leser entscheidend sein: Funktion vor Inszenierung.

Unterm Strich ist der ID.4 GTX ein solides, aber nicht makelloses Fahrzeug. Er erfüllt viele Anforderungen moderner Mobilität – Raum, Allrad, elektrische Plattform – ohne dabei neue Maßstäbe zu setzen. Seine Schwächen liegen weniger im Konzept als in der Umsetzung im Detail: Bedienung, Software, Effizienz unter Last.

Wer ein verlässliches, vielseitiges Elektro-SUV sucht und bereit ist, bei der digitalen Benutzerführung Kompromisse einzugehen, findet hier ein stimmiges Gesamtpaket. Wer hingegen technologische Stringenz und kompromisslose Usability erwartet, wird genauer hinsehen müssen.
Womöglich ist das die ehrlichste Einordnung: Der ID.4 GTX ist kein Fehlgriff – aber auch kein Fahrzeug, das sich selbst genügt.

Author
Katherine Kant, M.A.
Managing Editor
08.01.2026

The Lord Of The Rocks

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