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RADON JAB MX 10.0 – Wenn Geometrie Haltung bekommt

160 Millimeter Federweg, Mullet-Setup und eine klar modernisierte Geometrie: Das RADON JAB MX 10.0 verbindet verspielte Agilität mit ernsthafter Enduro-DNA. Auf langen Touren und technischen Abfahrten zeigt es, wie viel Substanz in einem durchdachten 160/160-Konzept steckt – inklusive Fox-Performance-Elite-Fahrwerk, Shimano XT/SLX-Antrieb und der kompromisslosen Schwalbe-Kombi aus Magic Mary und Big Betty.

8 Minuten

Es gibt Bikes, die wirken auf dem Papier stark. Und es gibt Bikes, die im Gelände Haltung zeigen. Das RADON JAB MX 10.0 gehört zur zweiten Kategorie.

Im Herbst 2025 waren wir mehrere Tage auf anspruchsvollen Trails unterwegs – lange Anstiege, ruppige Felsfelder, schnelle Wechselkurven, lose Schotterabfahrten. Kein Bikepark-Setting, kein Show-Event. Einfach reales Fahren. Genau hier zeigt sich, ob ein Enduro-Konzept nur gut klingt – oder Substanz besitzt.

Das JAB MX 10.0 ist das Mullet-Modell der Serie: 29 Zoll vorne für Souveränität und Spurtreue, 27,5 Zoll hinten für Agilität und sauberes Einlenken. 160 Millimeter Federweg an Front und Heck markieren die klare Ansage: Das hier ist ein echtes Enduro, aber eines, das nicht ausschließlich für Rennläufe gedacht ist, sondern für Menschen, die fahren – oft, lang und ambitioniert.

Rahmen, Geometrie, Plattform

Herzstück ist der komplett überarbeitete Vollcarbonrahmen. Der Reach ist gewachsen, der Radstand länger, der Lenkwinkel flacher geworden – moderne Zahlen, aber nicht exzentrisch. Entscheidend ist die Balance. Das Heck bleibt mit 432 Millimetern Kettenstreben kompakt, was dem Bike diese lebendige Note verleiht, die man in engen Sektionen sofort spürt.

Über die drehbaren ACROS-Steuersatzschalen lässt sich der Charakter anpassen. In der flachen Einstellung steht das Bike bei 63,85° Lenkwinkel und 76,65° Sitzwinkel – maximaler Fokus bergab. In der moderateren Position mit 64,75° / 76,35° wird das JAB tourentauglicher, ohne seinen Enduro-Kern zu verlieren. Diese Möglichkeit ist kein Marketing-Gag, sondern spürbar.

Ein integriertes Staufach im Unterrohr nimmt Werkzeug und Essentials auf – praxisnah, unauffällig. Leitungen werden modern geführt, bleiben aber wartungsfreundlich genug, um Schrauber nicht zur Verzweiflung zu treiben. Das Bike ist für Kategorie 4 freigegeben – also kein Spielzeug, sondern ernsthaftes Gelände.

Kein Lifestyle-Requisit, sondern Zugpferd: Der alte Navara brachte Bikes und Material dorthin, wo Asphalt endet und Trails beginnen

Fahrwerk: Kontrolle statt Show

Vorne arbeitet eine Fox 36 Performance Elite mit FIT GRIP2 Kartusche. Das ist keine abgespeckte Kompromisslösung, sondern ein präzise einstellbares System, das sich sowohl sensibel ansprechen als auch mit klarer Gegenhaltung fahren lässt. In Tretpassagen steht die Front hoch genug im Federweg, um effizient zu bleiben – sobald der Trail kippt, öffnet sie sauber und kontrolliert.

Am Heck übernimmt der Fox Float X2 Performance Elite die 160 Millimeter. Die Abstimmung wirkt straff genug für Druck auf der Kante, ohne ruppig zu werden. Gerade in steinigen Passagen vermittelt das Setup eine ruhige, berechenbare Linie. Das Bike fordert Aktivität – aber es bestraft keine kleinen Fehler.

Antrieb und Bremse: Funktion vor Theater

Beim Antrieb setzt RADON auf einen hochwertigen Mix aus Shimano SLX- und XT-Komponenten. Das Ergebnis ist klar: zuverlässige, knackige Schaltvorgänge, große Bandbreite und vor allem Robustheit bei widrigen Bedingungen. Kein kabelloser Showeffekt, sondern solide Technik, die funktioniert.

Die Shimano XT BR-M8120 Vierkolbenbremsen liefern exakt das, was ein 160er-Enduro braucht: kraftvolle Verzögerung, saubere Dosierbarkeit und Standfestigkeit auch bei längeren Abfahrten. Keine Überraschungen, kein Fading, kein Drama.

Laufräder und Reifen: Grip mit Ansage

Die Newmen Evolution SL A.30 Laufräder bringen mit 30 Millimetern Maulweite eine stabile Basis für moderne Enduro-Reifen. Die FADE-Nabe läuft angenehm leise, das Gesamtgewicht bleibt in einem Bereich, der Touren nicht zur Pflichtübung macht.

Und dann die entscheidende Komponente unseres Setups:
Schwalbe Magic Mary vorne, Big Betty hinten – Addix Soft, Super Trail.

Diese Kombination passt perfekt zur MX-DNA. Vorne maximale Führung und Seitenhalt, hinten definierter Bremstraktionsaufbau. Auf losem Untergrund, in feuchtem Waldboden oder auf kantigem Fels: Das Bike bleibt berechenbar. Wer wissen will, wie viel Vertrauen Reifen erzeugen können, sollte diese Kombi fahren.

Auf dem Trail

Bergauf spielt das JAB MX 10.0 sein moderates Gewicht und die effiziente Hinterbaukinematik aus. Es klettert nicht wie ein Marathon-Bike – will es auch nicht. Aber es bewegt sich leichter, als man es von einem 160er-Enduro erwarten würde. Lange Anstiege werden nicht zur Geduldsprobe.

Bergab wird klar, wo die Priorität liegt. Das Bike setzt Impulse direkt um, bleibt agil und lebendig. Das kleinere Hinterrad unterstützt das spielerische Einlenken, ohne die Laufruhe der 29er-Front zu konterkarieren. In schnellen Passagen vermittelt das JAB genügend Stabilität, in engen Sektionen macht es schlicht Spaß.

Es ist kein träges „Plow-Bike“, sondern ein aktiver Begleiter. Wer Druck aufbaut, bekommt Energie zurück. Wer sauber fährt, wird belohnt.

Rychlebské Stezky – Anspruch und Realität

Ein Teil unserer Tour führte uns erneut nach Rychleby. Früher ein Ort mit Aufbruchsstimmung, mit Vision. Moderate Preise, offene Kommunikation, die Idee, etwas Europäisches aufzubauen.

Ein paar alte lokale Bikes haben wir ebenfalls bewegt – und sie hatten noch immer Charakter

Heute wirkt vieles davon gebremst. Vor allem sind eBikes ausdrücklich nicht erwünscht.

Die internationale Außendarstellung ist inkonsequent, die Kommunikation fragmentiert, strategische Klarheit fehlt. Das wirkt nicht wie ein ambitioniertes europäisches Trailprojekt, sondern wie Verwaltung im Sparmodus – mit jener resignativen Improvisationskultur, die man eher aus literarischen Militärsatiren – à la „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ – kennt als aus zukunftsorientiertem Tourismusmanagement.

Das Gelände selbst hat Qualität. Das Potential ist da. Aber Potential allein reicht nicht.

Gerade im Vergleich zu Destinationen wie dem Gardasee, wo Professionalität und Offenheit selbstverständlich sind, wird klar: Wer Gäste will, muss Haltung zeigen.

Und der Navara?

Der alte Nissan Navara NP300, Baujahr Mitte der 2010er, war kein Hauptdarsteller – aber Teil der Geschichte. Ein Fahrzeug aus der ehemaligen Testflotte, später privat übernommen, robust, zuverlässig, ohne Show. Er brachte uns samt Material dorthin, wo Trails beginnen. So sieht Praxis aus.

Fazit – ohne Pathos

Das RADON JAB MX 10.0 ist kein Prestige-Objekt, sondern ein ernsthaftes Werkzeug für ambitionierte Trail- und Endurofahrer. 160/160 Millimeter, Mullet-Setup, verstellbare Geometrie, durchdachte Komponentenwahl – das ergibt ein stimmiges Gesamtbild.

Es fährt sich lebendig, effizienter als erwartet und mit klarer bergab-DNA. Kein künstliches Pathos, kein Etikettenschwindel – sondern ein Bike, das im Gelände genau das liefert, was seine Zahlen versprechen.

Und genau deshalb gehört es dorthin, wo wir es bewegt haben: auf echte Trails, nicht in Prospekte.

Author
John Williams
Senior writer
March 3, 2026

The Lord Of The Rocks

Fachwissen aus erster Hand. Ohne Lärm. Ohne Floskeln.

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