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Rohstoffe

Gold in Subduktionszonen: Wie Mantelschmelzen die Grundlage globaler Lagerstätten schaffen

Neue geowissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass mehrstufige Mantelschmelzen in Subduktionszonen entscheidend für die Goldanreicherung sind. Damit rückt der Ursprung vieler Lagerstätten tiefer in den Fokus – mit direkten Implikationen für Exploration, Bewertung und Investitionsentscheidungen im Bergbau.

6 Minuten

Titelfoto: Die Kettensackdredge wird wieder an Bord gehievt: Probennahme während der Expedition mit dem Forschungsschiff SONNE in den Südpazifik / Dr. Christian Timm, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Goldentstehung in Subduktionszonen: Warum der Erdmantel die Grundlage globaler Lagerstätten bestimmt

Der aktuelle Fokus auf Goldexploration und neu gemeldete Vorkommen lenkt die Aufmerksamkeit auf Projekte, Jurisdiktionen und Preise. Deutlich seltener wird die eigentliche Frage gestellt: Wo und wie entsteht Gold in wirtschaftlich relevanter Konzentration überhaupt? Die Antwort liegt nicht in einzelnen Lagerstätten, sondern tief im Erdmantel – in geodynamischen Systemen, die als eigentliche „Produktionsstätten“ fungieren. Neue Arbeiten unter Leitung von GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel liefern hierzu eine präzisere Grundlage und verschieben den Blick vom Erzgang zur Quelle.

Dreidimensionale Karte des Inselbogens Kermadec Arc im Pazifik, wo die Pazifische Platte unter die Australische Platte abtaucht. Glasproben aus dieser Subduktionszone haben die Forschenden untersucht, um herauszufinden, wie sich Gold und andere Edelmetalle während des Aufschmelzens des Erdmantels verhalten.Illustration: Cornel de Ronde (Principal Scientist - Research Geologist), Institute of Geological and Nuclear Sciences Limited (GNS Science), Earth Science New Zealand

Im Zentrum stehen Subduktionszonen. Dort taucht ozeanische Lithosphäre unter eine zweite Platte ab, Wasser wird in den Mantel eingetragen, und das thermodynamische Gleichgewicht des Systems verschiebt sich. Diese Prozesse sind seit Langem als Motor vulkanischer Aktivität bekannt. Weniger klar war bislang, warum gerade solche Zonen überproportional häufig mit goldreichen Lagerstätten verknüpft sind. Die neuen Daten zeigen: Es ist nicht ein einzelner Mechanismus, sondern die Kombination aus Wasser, Oxidationsbedingungen und mehrstufigem Aufschmelzen, die Gold systematisch anreichert.

Mantelprozesse als Ausgangspunkt wirtschaftlicher Systeme

Die Untersuchung basiert auf Proben aus dem Kermadec-Inselbogen im Südpazifik – einem aktiven Beispiel für intraozeanische Subduktionszonen. Analysiert wurden vulkanische Gläser, die beim raschen Abkühlen von Lava unter Wasser entstehen und die chemische Signatur des ursprünglichen Magmas nahezu unverändert konservieren. Insgesamt 66 Proben erlauben eine Rekonstruktion der Prozesse im Mantel mit ungewöhnlicher Präzision.

Das Ergebnis ist eindeutig: Magmen aus Subduktionszonen weisen signifikant höhere Goldkonzentrationen auf als vergleichbare Systeme an mittelozeanischen Rücken. Die gemessenen Werte liegen im Bereich mehrerer Nanogramm pro Gramm Gestein – geologisch relevant, wenn auch weit entfernt von wirtschaftlichen Erzgehalten. Entscheidend ist nicht die absolute Konzentration, sondern der Prozess, der zu dieser Anreicherung führt.

Mehrstufiges Aufschmelzen als Konzentrationsmechanismus

Der zentrale Mechanismus ist ein wiederholtes, wasserinduziertes Aufschmelzen des Mantels. Wasser, das aus der subduzierten Platte freigesetzt wird, senkt den Schmelzpunkt des umgebenden Mantelmaterials und ermöglicht hohe Schmelzgrade. Dabei werden sulfidhaltige Phasen, in denen Gold im Mantel gebunden ist, destabilisiert. Das Gold geht vollständig in die Schmelze über.

Dieser Prozess erfolgt nicht einmalig, sondern in mehreren Zyklen. Bereits „ausgelaugter“ Mantel wird erneut aufgeschmolzen, wodurch sich die Konzentration chalcophiler Elemente – darunter Gold, Silber und Kupfer – weiter erhöht. Die resultierenden Magmen tragen eine Signatur, die sich klar von anderen geodynamischen Umgebungen unterscheidet.

160 Mikrometer kleiner Messkrater im vulkanischen Glas: Er entsteht, wenn ein Laser winzige Mengen Material aus der Probe herausschießt. Dieses Material wird mit einem Gas in ein Massenspektrometer eingebracht, dort stark erhitzt und in seine Bestandteile zerlegt. So können Forschende genau bestimmen, welche Elemente und Isotope in der Probe enthalten sind
Foto: Garbe-Schonberg, D. and Müller, Nano-particulate pressed powder tablets for LA-ICP-MS / Journal of Analytical Atomic Spectrometry

Für die Rohstoffindustrie ist diese Erkenntnis zentral. Sie definiert Subduktionszonen nicht nur als potenzielle Lagerstättenräume, sondern als primäre Anreicherungsmechanismen. Die Qualität eines Systems wird damit bereits in Tiefen von mehreren zehn Kilometern vorgeprägt.

Von der Mantelschmelze zur Lagerstätte

Die Prozesse im Mantel sind nur der erste Schritt. Entscheidend ist, ob und wie das angereicherte Material in die oberen Krustenbereiche transportiert und dort weiter konzentriert wird. Hier greifen hydrothermale Systeme, strukturelle Kontrolle und lithologische Rahmenbedingungen ineinander.

Die neuen Daten liefern jedoch eine wichtige Vorselektion: Systeme mit hoher initialer Metallfracht haben eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, wirtschaftlich relevante Lagerstätten auszubilden. Subduktionszonen fungieren damit als „Vorladeeinheit“ für spätere mineralisierende Prozesse.

Das erklärt auch die Häufung goldreicher Vorkommen entlang vulkanischer Inselbögen und konvergenter Plattengrenzen. Es handelt sich nicht um eine zufällige Korrelation, sondern um eine direkte Folge der Mantelchemie und ihrer Dynamik.

Implikationen für Exploration und Kapitalallokation

Für Explorationsstrategien bedeutet das eine Verschiebung der Prioritäten. Klassische Ansätze, die sich primär auf oberflächennahe Indikatoren konzentrieren, greifen zu kurz. Entscheidend ist die Einbettung eines Projekts in einen geodynamischen Kontext, der eine hohe primäre Metallanreicherung erwarten lässt.

Regionen mit aktiver oder historischer Subduktion – etwa entlang des pazifischen Feuerrings – bleiben damit strukturell im Vorteil. Gleichzeitig ermöglicht ein besseres Verständnis der Mantelprozesse eine feinere Differenzierung innerhalb dieser Zonen. Nicht jede Subduktionsumgebung ist gleich produktiv.

Für Investoren und strategische Entscheider entsteht daraus ein klareres Raster. Projekte können nicht nur nach Größe und Gehalt bewertet werden, sondern nach ihrer genetischen Grundlage. Systeme, die auf mehrfach geschmolzenem, wasserreichen Mantelmaterial basieren, weisen ein anderes Risikoprofil auf als solche in weniger aktiven geodynamischen Umgebungen.

Ein tieferer Blick auf die Rohstoffbasis

Die aktuelle Studie liefert damit mehr als eine geochemische Detailanalyse. Sie verschiebt den Fokus der Rohstoffdiskussion auf die fundamentale Ebene der Entstehung. In einer Phase, in der Gold als strategisches Asset erneut an Bedeutung gewinnt, ist diese Perspektive entscheidend.

Die eigentliche „Goldküche“ liegt nicht in einzelnen Lagerstätten, sondern in den Prozessen, die sie ermöglichen. Wer diese Prozesse versteht, versteht auch, warum bestimmte Regionen immer wieder große Vorkommen hervorbringen – und andere nicht.

Für die Branche ist das kein akademischer Befund. Es ist eine Grundlage für bessere Entscheidungen.

Quelle: Dr. Christian Timm, Mariner Geologe am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Author
Katherine Kant, M.A.
Managing Editor
14.04.2026

The Lord Of The Rocks

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