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Bergbau

Teleoperation im Tagebau: Liebherr bringt PR 776 G8 mit LiReCon in den produktiven Einsatz

Mit der Inbetriebnahme von PR 776 G8 Planierraupen inklusive LiReCon-Teleoperation bei SQM in Chile bringt Liebherr Fernsteuerungssysteme erstmals in den produktiven Tagebaubetrieb. Der Ansatz kombiniert Maschinenleistung mit sicherer, effizienter Steuerung außerhalb der Gefahrenzone.

6 Minuten

Im industriellen Tagebau verschiebt sich die Diskussion zunehmend von reiner Maschinenleistung hin zur Frage, wie sich Produktivität, Sicherheit und Betriebskontinuität gleichzeitig verbessern lassen. Die jüngste Inbetriebnahme zweier PR 776 G8 Planierraupen bei SQM in der Nueva Victoria Mine in der Region Tarapacá im Norden Chiles zeigt, wie dieser Anspruch konkret umgesetzt werden kann – nicht als Konzeptstudie, sondern unter realen Produktionsbedingungen.

Mit der Lieferung der rund 70 Tonnen schweren Raupen, ausgestattet mit dem Teleoperationssystem LiReCon (Liebherr Remote Control), bringt Liebherr erstmals ein vollständig integriertes Fernsteuerungssystem dieser Klasse in eine aktive Minenumgebung. Ergänzt wird die Lieferung durch zwei Radlader des Typs L 586 XPower, die gemeinsam mit den Dozern im Materialhandling eingesetzt werden.

Maschinenleistung als Grundlage – Systemintegration als entscheidender Schritt

Die PR 776 G8 gilt als größte hydrostatische Planierraupe im Markt und ist auf kontinuierliche Hochlastanwendungen ausgelegt. Charakteristisch sind die gleichmäßige Kraftübertragung, die hohe Schubleistung sowie ein stabiler Fahrantrieb, der auch unter wechselnden Bodenbedingungen eine präzise Steuerung ermöglicht. Gleichzeitig spielt der Kraftstoffverbrauch eine zentrale Rolle, insbesondere in abgelegenen Minenstandorten, in denen Logistik und Versorgung zusätzliche Kostenfaktoren darstellen.

In Nueva Victoria bestätigten sich diese Eigenschaften bereits in den ersten Betriebsmonaten. Für SQM, den weltweit größten Produzenten von Jod, bedeutet dies eine unmittelbare Verbesserung der operativen Leistungsfähigkeit im Tagebau.

Der entscheidende Entwicklungsschritt liegt jedoch nicht allein in der Maschine, sondern in ihrer Erweiterung durch LiReCon.

PR 776 G8 Planierraupen mit LiReCon-Teleoperationssystem im Einsatz bei SQM in der Nueva Victoria Mine, Region Tarapacá, Chile – präzise Steuerung aus sicherer Distanz unter realen Tagebaubedingungen.

LiReCon: Fernsteuerung als operative Erweiterung

Das LiReCon-System überführt die klassische Maschinenbedienung in eine neue Betriebslogik. Statt ausschließlich aus der Kabine heraus zu arbeiten, kann der Bediener die Maschine künftig von einer externen Steuerstation aus kontrollieren. Diese ist mit einem mehrkanaligen Kamerasystem, Audioübertragung und zusätzlicher Sensorik verbunden, die ein detailliertes Lagebild der Arbeitsumgebung liefert.

Im Unterschied zu einfachen Fernsteuerlösungen entsteht hier ein umfassendes, räumlich differenziertes Situationsverständnis. Mehrere Kameraperspektiven, kombiniert mit akustischem Feedback, ermöglichen eine präzise Steuerung auch unter eingeschränkten Sichtverhältnissen, wie sie im Tagebau durch Staub, Hitze oder topografische Einschränkungen häufig auftreten.

Die Teleoperation wird dabei nicht als Ersatz, sondern als Erweiterung der konventionellen Bedienung eingeführt. In der Einführungsphase arbeiten die Maschinen weiterhin mit Fahrern in der Kabine. Erst nach einer gezielten Schulungs- und Anpassungsphase wird die Fernsteuerung vollständig aktiviert.

Sicherheit und Produktivität im direkten Zusammenhang

Der Einsatz von Teleoperation adressiert zwei zentrale Herausforderungen im Tagebau: die Exposition der Bediener gegenüber Risiken und die effiziente Nutzung der Maschinen.

Gefahrenbereiche wie instabile Böschungen, Abraumhalden oder stark staubbelastete Zonen lassen sich künftig bearbeiten, ohne dass sich Personal direkt vor Ort aufhalten muss. Gleichzeitig bleibt die Steuerung in der Hand erfahrener Bediener, was insbesondere in komplexen geotechnischen Situationen von Vorteil ist.

Darüber hinaus eröffnet die Technologie neue Möglichkeiten in der Einsatzplanung. Bedienerwechsel können ohne Wegezeiten erfolgen, Stillstände zwischen Schichten werden reduziert, und die Maschinenverfügbarkeit steigt. Diese Faktoren wirken sich direkt auf die Gesamtproduktivität aus.

Integration in eine gewachsene Flottenstruktur

Die Einführung der PR 776 G8 bei SQM erfolgt nicht isoliert, sondern als Teil einer langfristigen Zusammenarbeit. Bereits seit mehreren Jahren setzt das Unternehmen auf Großgeräte von Liebherr, darunter Hydraulikbagger der Klassen R 9200 und R 9300. Mit der aktuellen Lieferung wächst die Flotte auf insgesamt acht Maschinen an.

Diese Kontinuität ist für die Einführung neuer Technologien entscheidend. Systeme wie LiReCon entfalten ihren Nutzen nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit bestehenden Prozessen, Wartungsstrukturen und Bedienkonzepten. Die Möglichkeit, Teleoperation perspektivisch auch auf andere Maschinentypen auszuweiten, eröffnet dabei zusätzliche Optionen für den weiteren Ausbau.

Umsetzung unter realen Betriebsbedingungen

Die Inbetriebnahme des Systems erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen Liebherr Chile, den Entwicklungsstandorten in Europa und dem Betreiber vor Ort. Neben der technischen Integration steht dabei insbesondere die Schulung der Bediener im Fokus. Teleoperation verändert nicht nur die Steuerung, sondern auch die Wahrnehmung der Maschine und die Abläufe im täglichen Betrieb.

Die Einführung wird daher schrittweise umgesetzt, um die Systeme unter realen Bedingungen zu testen und anzupassen. Dieser Ansatz reduziert Risiken und stellt sicher, dass die Technologie nicht nur funktioniert, sondern im operativen Alltag akzeptiert und genutzt wird.

Einordnung: Vom Konzept zur Anwendung

Teleoperation gilt seit Jahren als ein zentraler Baustein der Automatisierung im Bergbau. In der Praxis scheitern viele Ansätze jedoch an der Integration in bestehende Strukturen. Die Umsetzung bei SQM zeigt, dass sich dieser Schritt inzwischen unter realen Produktionsbedingungen bewältigen lässt.

Dabei wird deutlich, dass die Entwicklung nicht in Richtung vollständiger Autonomie verläuft, sondern in einer Kombination aus menschlicher Steuerung und technologischer Unterstützung. Systeme wie LiReCon ermöglichen es, die Fähigkeiten erfahrener Bediener mit den Vorteilen digitaler Systeme zu verbinden.

Fazit: Operative Realität statt Technologiedemonstration

Mit dem Einsatz der PR 776 G8 und LiReCon in der Nueva Victoria Mine wird Teleoperation zu einem festen Bestandteil des laufenden Betriebs. Der Schritt von der Demonstration zur Anwendung ist damit vollzogen.

Für die Branche bedeutet dies eine klare Verschiebung: Nicht die Frage, ob solche Systeme eingesetzt werden, steht im Vordergrund, sondern wie schnell und in welchem Umfang sie in bestehende Abläufe integriert werden können. Genau hier liegt der Maßstab, an dem sich zukünftige Entwicklungen messen lassen.

Author
Leo Uhle
Founder und Chefredakteur
18.03.2026

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